Frauen in Führungspositionen im Hotel- und Gastgewerbe

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Laut dem Journal of Hospitality & Tourism Education vom Mai 2015 sind 67 % der Studierenden, die an Hochschulen in Studiengängen für das Hotel- und Gastgewerbe eingeschrieben sind, Frauen. Eine Untersuchung aus demselben Jahr ergab jedoch, dass weniger als 40 % der im Hotelmanagement Tätigen und weniger als 20 % der Geschäftsführenden weiblich sind.

In diesem Artikel möchten wir uns aber nicht lange mit der Statistik aufhalten, sondern uns auf die Frauen konzentrieren, die diesen Zahlen trotzen.

Wir hatten die Gelegenheit, uns mit mehreren innovativen, engagierten Hotelmanagerinnen zu unterhalten. Ihre Karrieren mögen sich unterscheiden, aber abgesehen von ihrem Erfolg in einem von Männern dominierten Sektor haben sie noch einige weitere Dinge gemeinsam. Dazu gehören unter anderem die Begeisterung, mit der sie sich um ihre Gäste kümmern, die unternehmerische Herangehensweise an den Betrieb eines Hotels sowie die Bereitschaft, hart zu arbeiten.

Außerdem sprachen wir mit Jessica Neth, Global Head of Technical Partnerships bei trivago, über ihre Erfahrungen als Frau, die im technologischen Bereich der Branche die gläserne Decke durchbrochen hat.

Hier erzählen sie über ihre Karrieren, ihre Innovationen als Branchenführerinnen und ihre Tipps für andere Frauen, die eine leitende Position im Hotel- und Gastgewerbe anstreben.


Fotos von Frauen in Führungspositionen im Hotel- und Gastgewerbe

Von links nach rechts: Hotelmanagerin Tiziana Laterza vom Grand Hotel Excelsior Vittoria, Hotelmanagerin Irene Talg vom Hotel Tigaiga, Hotelmanagerin Elena Röhl vom The Mandala Hotel und Jessica Neth, Global Head of Technical Partnerships bei trivago

trivago: Wollten Sie schon immer im Hotel- und Gastgewerbe arbeiten? Wie haben Sie Ihre heutige Position erreicht?

„Das Hotel ist ein Familienunternehmen und wurde 1959 von meinem Großvater und meinem Vater eröffnet“, erklärt Irene Talg, Hauptgeschäftsführerin des Hotel Tigaiga auf Teneriffa. „Meine Geschwister und ich kennen das Hotelleben von Kindesbeinen an. Ich wollte eigentlich nicht im Hotel- und Gastgewerbe arbeiten und habe BWL studiert. Mein Vater hat mir den Einstieg aber sehr leicht gemacht, indem er mir von Anfang an erlaubt hat, in allen Bereichen des Hotels meine Ideen umzusetzen: von Qualitätszertifizierungen bis zum Umweltmanagement und von Social Media bis zum Umsatzmanagement.“

„Ich habe im Jahr 2000 im Hotel- und Gastgewerbe angefangen, obwohl ich mir das vorher überhaupt nicht vorstellen konnte“, meint Elena Röhl, Leiterin des The Mandala Hotel. „Mir war von Anfang an klar, dass eine gute Ausbildung entscheidend für den Einstieg in diese Branche ist. Die Schweizer Hotelausbildung war ein wichtiger Faktor bei dem, was ich erreicht habe, aber sicher nicht der einzige. Im Hotel- und Gastgewerbe eine leitende Position zu erreichen, geht nur mit harter Arbeit und der Bereitschaft, ständig dazuzulernen und sich weiterzuentwickeln. Und natürlich muss man gerne mit Gästen umgehen.“

„Ich bin schon in jungen Jahren viel gereist“, berichtet Tiziana Laterza, Leiterin des Grand Hotel Excelsior Vittoria. „Ich war fasziniert davon, neue Kulturen und neue Menschen kennenzulernen, neue Erfahrungen zu sammeln. Deswegen habe ich beschlossen, in einem Reisebüro zu arbeiten. Von da war der Sprung in die Hotelbranche nicht weit. So kann ich Teil der neuen Erfahrungen sein, die die Menschen auf Reisen suchen.“

„Ich wollte unbedingt in der Reisebranche arbeiten“, verrät Jessica Neth. „Nach meinem Studium [des Reise- und Tourismusmanagements]habe ich zuerst ein Praktikum bei trivago gemacht und dann zu einem kleinen Start-up gewechselt. Rückblickend war das eine meiner besten Entscheidungen. Bei einem Start-up hat man die Möglichkeit, selbst etwas zu entwickeln, zu gestalten, aufzubauen und kreativ zu sein, anstatt festgelegte Abläufe und Prozesse zu befolgen. trivago, eines der führenden Technologieunternehmen, war für mich dagegen wohl der ideale Ort, um so große Verantwortung zu übernehmen und mein Wachstumspotential auszuschöpfen.“


Was gefällt Ihnen an Ihrem Job am besten?

Tiziana Laterza: „Im Hotel- und Gastgewerbe hat man die Möglichkeit, in einem internationalen Umfeld zu arbeiten – nicht nur die Gäste kommen aus aller Welt, sondern auch die Mitarbeiter. Es ist eine menschenbezogene Branche und das begeistert mich jeden Tag aufs Neue. Man kann kreativ sein und es den Gästen ermöglichen, ihren Aufenthalt im Hotel und dem Land so schön wie möglich zu gestalten.“

Irene Talg: „Unsere Gäste glücklich zu machen und zu sehen, wie sehr sie die Bemühungen aller Mitglieder des Tigaiga-Teams schätzen.“

Elena Röhl: „Ich genieße die vielfältigen Aufgaben meines Jobs sowie die Kreativität und die Erfahrung, die in diesem sich schnell wandelnden Umfeld nötig sind.“

Jessica Neth: „Am besten gefällt mir an meinem Job, dass ich gehört werde. Heutzutage ist es nicht selbstverständlich, seine Ideen und Visionen mit anderen teilen und sich dafür auch Gehör verschaffen zu können. Das hat mir geholfen, zusammen mit dem Unternehmen zu wachsen.“


Was ist für Sie als Hotelmanagerin die größte Herausforderung?

Elena Röhl: „Als Hotelmanagerin stehe ich ständig vor den unterschiedlichsten Herausforderungen: Diese reichen von der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern und der Erfüllung von Gästewünschen über technologische Entwicklungen bis zu den steigenden Erwartungen an den zu erwirtschaftenden Umsatz. Die größte Herausforderung ist meiner Meinung nach aber die Technologie, denn ihre Entwicklung beeinflusst sowohl den Hotelbetrieb als auch die Bedürfnisse und Erwartungen der Gäste immer stärker. Mit dieser Entwicklung Schritt zu halten, ist meiner Meinung nach das Schwierigste.“

Irene Talg: „Auf dem Laufenden zu bleiben. Ein Hotel hat so viele unterschiedliche Bereiche und wir führen dauernd Neuerungen ein, damit sowohl Stammgäste als auch neue Besucher im Tigaiga immer etwas Überraschendes vorfinden und einen unvergesslichen Urlaub verleben. Wir möchten unseren Gästen einen Ort bieten, an dem sie sich zu Hause fühlen und sich entspannen können, zum Beispiel in unserem subtropischen Garten. Sie sollen aber nicht nur die grüne Umgebung unseres Hotels genießen, sondern auch erfahren, woher die Blumen und Pflanzen kommen und wann sie blühen.“

Tiziana Laterza: „Die Vielfalt, die eine Tätigkeit als Hotelmanagerin mit sich bringt – nicht nur, was die Arbeitszeit betrifft, sondern auch die Aufgaben, die man in dieser Zeit erledigt. Die größte Herausforderung besteht jedoch darin, die Gäste (und die Mitarbeiter) glücklich zu machen. In einem Hotel geht es immer darum, die Wünsche und Bedürfnisse der Gäste zu erfüllen oder sogar zu übertreffen – da ist es heute nicht mehr mit einem gemütlichen Bett und einer guten Mahlzeit getan!“

Jessica Neth: „Die größte Herausforderung scheint mir insbesondere im Hinblick auf die Hoteltechnologie die Fragmentierung der Branche zu sein. So viele Firmen bieten scheinbar identische Dienstleistungen an. Der Markt wird von Technologieprodukten geradezu überschwemmt, wobei viele zu teuer, zu kompliziert in der Handhabung oder nicht auf die Bedürfnisse und Budgets kleinerer Unterkünfte zugeschnitten sind. Dies erschwert unabhängigen Hotels die Auswahl der richtigen Angebote für ihr Unternehmen ungemein.“


Welche Innovationen haben Sie in Ihrem Hotel eingeführt?

Elena Röhl: „Ich habe für die Einführung verschiedener technologischer Innovationen gesorgt, die für die Kunden nicht sofort erkennbar sind, sich aber indirekt positiv auf das Gästeerlebnis auswirken: Dazu gehören der Wechsel zu einem besseren PMS (Property Management System), die Einführung automatisierter Revenue-Management-Lösungen und eines CRM-Systems sowie die Optimierung der Konnektivität im Hotel. Wir haben zum Beispiel das gedruckte Hotelverzeichnis im Zimmer durch eine elektronische Version ersetzt. So kann der Gast über ein hoteleigenes Tablet etwas beim Zimmerservice oder beim Housekeeping bestellen.“

Tiziana Laterza: „Wir haben uns mit der Gemeinde Sorrent zusammengetan und veranstalten gemeinsam Kunstausstellungen, Live-Konzerte lokaler Künstler oder Theateraufführungen. Ziel ist es, unseren Gästen die lokale Kunst näherzubringen, und das bisherige Feedback hat unsere Erwartungen bei Weitem übertroffen.“

Irene Talg: „Wir haben vor zehn Monaten eine neue Kompostieranlage für den Bioabfall aus unserer Küche und dem Restaurant errichtet. So möchten wir die Abfallmenge und den Ausstoß von Treibhausgasen senken und gleichzeitig hochwertigen Kompost für unseren Garten produzieren.“


Welchen Rat würden Sie Frauen geben, die am Anfang ihrer Karriere im Hotel- und Gastgewerbe stehen und eine leitende Position anstreben?

Irene Talg: „Lernen Sie sämtliche Aufgaben auf allen Ebenen eines Hotels genau kennen. Seien Sie offen für die facettenreichen Karrierechancen, die die Hotelbranche zu bieten hat. Wenn Sie Ihren Job lieben, werden Sie glücklich sein!“

Jessica Neth: „Ich habe in den letzten Jahren immer wieder das alte Rollenklischee beobachtet, dass Männer die Führung übernehmen, während sich die Frauen um alles kümmern. Ich war in zahlreichen Besprechungen mit Männern, deren Assistentinnen meist viel mehr Erfahrung und einen besseren Überblick über die wichtigen Themen hatten als sie. Daher möchte ich Frauen am Anfang ihrer Karriere folgenden Rat geben: Unterschätzen Sie sich nicht. Trauen Sie sich, den Mund aufzumachen, und versuchen Sie, Chancen zu nutzen – sei es die Leitung eines neuen Projekts, die Teilnahme an einer Veranstaltung oder die Durchführung Ihres ersten Geschäftstermins.“

Tiziana Laterza: „Lieben Sie Ihre Arbeit, brennen Sie dafür und investieren Sie stets Zeit in sie. Informieren Sie sich über aktuelle Trends im Hotel- und Gastgewerbe, darüber, was die Menschen mögen und was dafür sorgt, dass sie sich in Ihrem Hotel wie zu Hause fühlen. Übernehmen Sie jede Aufgabe und sei sie auch noch so einfach oder unbedeutend. Und vor allen Dingen erwerben Sie weiteres Wissen in Seminaren, Workshops oder auf Konferenzen. Dort können Sie sich mit Kolleginnen austauschen, neue Perspektiven kennenlernen und so zu einem Gewinn für Ihr Hotel werden.“

Elena Röhl: „Ich denke, es ist heute für Frauen leichter, leitende Positionen im Hotel- und Gastgewerbe zu erreichen, da die erforderlichen Kompetenzen und Fähigkeiten nichts mit dem Geschlecht zu tun haben. Daher habe ich keinen konkreten Rat für Frauen. Eine fundierte Ausbildung und eine gewisse praktische Erfahrung sind ein guter Ausgangspunkt. Informieren Sie sich über das Unternehmen, bei dem Sie arbeiten möchten. Bleiben Sie motiviert und flexibel. Seien Sie bereit, hart an Ihrer Karriere zu arbeiten, erwerben Sie sich den Respekt Ihrer Teammitglieder und entwickeln Sie Ihre Führungskompetenzen weiter. Eine erfolgreiche Managerin ist immer eine gute Führungskraft mit einem Team aus Profis.“


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Die Organisation, die versucht, den Mangel an weiblichen Führungskräften in der Reise- und Tourismusbranche zu beheben

Wir hatten außerdem Gelegenheit, mit Laura Mandala, Geschäftsführerin von Mandala Research und früherer Vice President of Research bei der U.S. Travel Association, zu sprechen, die die Organisation witti (Women in Travel & Tourism, International) gegründet hat, um „etwas gegen den Mangel an weiblichen Führungskräften ganz oben in der Reisebranche zu unternehmen“.

Sie betont angesichts der Personaldaten verschiedener Unternehmen und Organisationen, dass „Frauen auf der höchsten Führungsebene deutlich unterrepräsentiert sind“.

witti hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit den folgenden Maßnahmen dagegen vorzugehen:

  • Anerkennen der Beiträge von Frauen in der Branche im Rahmen einer jährlichen Preisverleihung
  • Anbieten von Networking-Möglichkeiten, um Frauen aus verschiedenen Bereichen der Branche miteinander in Kontakt zu bringen, damit sie sich gegenseitig über freie Posten für Führungskräfte informieren können
  • Austausch über den Mangel an weiblichen Führungskräften in Diskussionsrunden zum Thema Frauen in der Branche bei Tourismuskonferenzen und -messen auf der ganzen Welt

„Analysen der Entscheidungen von Führungskräften zeigen, dass Menschen dazu neigen, Personen einzustellen, die ihnen ähneln und bereits ihren beruflichen oder gesellschaftlichen Kreisen angehören“, so Laura Mandala.  „Wenn wir diese Kreise nicht erweitern oder verlangen, dass bei der Besetzung von Führungspositionen mehr auf Vielfalt geachtet wird, wird sich auf der Führungsebene nichts ändern.“

Unter http://womenintravelandtourism.com/ erfahren Sie mehr über witti, die Mission und Initiativen.

 

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